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Der heilige Franziskus

7. Aug.
6 Min. Lesezeit

Ich und mein Partner pilgern zu Ehren des heiligen Franziskus.

Auf den Spuren des Franziskus bin ich bereits mehrfach gegangen.

Seitdem ich das letzte Mal auf dem Franziskusweg gegangen bin, habe ich mich humorvollerweise „Groupie von Franziskus“ genannt. Denn er berührt mich auf eine Weise, die mich sehr überwältigt und überrascht.

Die Parallelen, die wir miteinander teilen, haben mich zu Tränen gerührt, als ich das erste Mal von ihm gehört habe.


Auch er hat meinen Partner und mich zusammengeführt. Es war an einem Ort, an dem Franziskus vor 800 Jahren ebenfalls gelebt hat: „La Foresta“, ein Franziskanerheiligtum. Damals zog sich Franziskus dorthin zurück, um sich zu erholen, denn er litt an einer schweren Augenkrankheit. Der Legende zufolge hat er dort auch den berühmten Sonnengesang geschrieben, oder zumindest Teile davon.

Mein Partner lebte in diesem Kloster fast 2 Jahre als Franziskusbruder nach den Regeln der Mönche.

Als wir uns begegnet sind, war es für uns beide Liebe auf den ersten Blick.

Dort fragte mich mein Partner auch kurze Zeit, nachdem wir uns das erste Mal gesehen hatten, ob ich mit ihm ohne Geld pilgern möchte. Alle meine Zellen und auch mein Mund schrien sofort: JA!

Und tatsächlich: EXAKT sechs Monate später begannen wir diesen Weg.

Am 28. November haben wir uns das erste Mal gesehen.

Am 29. November fragte er mich, ob ich mit ihm gehen möchte. Ich find's auch irgendwie richtig süß, denn es ging wirklich darum, Miteinander zu gehen, jedoch steckte dahinter im Grunde auch die Frage, ob ich ihn auch so gern mag wie er mich.

An diesem Tag entschied ich auch, innerlich für mich, dass ich ihn als meinen Partner möchte.

Für uns beide gab es daran keinerlei Zweifel.

Am 3. Dezember ist mein Partner aus dem Kloster gekickt worden. Wegen der Liebe zwischen uns die seine Brüder erkannten. Natürlich sind Frauen nicht erlaubt.

Seit dem 4. Dezember sind wir fast durchgehend zusammen.

Am 29. Mai starteten wir.

Und falls du meinst, wir hätten das alles so geplant ... nein!

Eigentlich wollten wir schon viel früher los, doch wir waren sowohl länger bei meiner Familie als auch bei seiner Familie als geplant.


Nun ja, dies nur so am Rande.

Die Geschichte von meinem Partner und mir kommt noch.

Auch meine Geschichte, die voll mit Parallelen zum Leben des Franziskus ist, kommt noch.


Zurück zu der Begegnung mit dem Priester Cornelius, der mir erstmals von Franziskus erzählte und meine Brücke zu ihm erbaute.

Ich hatte im Grunde kaum eine Ahnung, wer Franziskus ist.

In der Schule hatte ich einst den Namen gehört, jedoch keinerlei Informationen über ihn behalten. Alles, was ich wusste, war, dass ein Franz von Assisi existierte.

Dieser Name ist mir im Gedächtnis geblieben. Mehr nicht.

Wenn ich nun daran zurückdenke, dass mich eine Zeit lang Freunde „Franz“ nannten und ich auch in meiner Kindheit von Familienmitgliedern Franziskus genannt wurde, überkommt mich inzwischen eine große Freude.

Damals war ich nicht so begeistert, denn dies ist der Name eines Mannes und ich bin doch schließlich ein Weib.

Damals habe ich es toleriert, heute fühle ich mich geschmeichelt, dass mich Menschen so nannten.

Als ich also in der Apollinariskirche in Remagen stand – barfuß, mit meinem Pilgerrucksack.

Der Priester sah mich und sagte: „Ach Mensch, wie der heilige Franziskus damals barfuß auf der Erde.“

Als ich sagte, dass mein Name Franziska sei, durchfloss ihn Fassungslosigkeit und er schaute mich auf eine Weise an, auf die ich nie zuvor angeschaut worden war.

Ich fragte, wer denn Franziskus sei, und er nahm sich Zeit, mir dies zu erklären.

Während wir zusammensaßen und er von ihm sprach, liefen mir die Tränen unaufhaltsam über die Wangen.

Denn ich fühlte mich verstanden und geborgen.

Denn ich wähle seit vielen vielen Jahren einen ähnlichen Weg wie Franziskus.

Einen Weg etwas außerhalb der Gesellschaft. Für den Frieden.

Ich erkannte bereits vor vielen Jahren, dass all diese Gewalt, dieser Hass und dieser Krieg im Außen stattfinden können, weil die Menschen im Inneren so mit sich selbst umgehen.

Ich wählte einen Weg für den inneren Frieden, um diesen im Außen zu erschaffen.

Was mich damals am meisten motivierte, war das Leid der Tiere. Ich wollte für ein friedlicheres Leben für die Tiere losgehen.

Ich folge schon viele Jahre meinem Herzen. Da dieser Weg nicht unbedingt dem typischen Weg der Gesellschaft entspricht, nennen wir es unkonventionell, führte dies dazu führt, dass ich viel Ablehnung und Unverständnis für meinen Weg erfahre. Viel Gegenwind. Was oft auch schmerzhaft war und mich etwas einsam fühlen ließ.

Dann höre ich von einem Mann, der vor 800 Jahren lebte und einen ähnlichen Weg wie ich einschlug. Es war, als fühlte ich mich verstanden und unterstützt, sicher und geborgen und genau auf dem richtigen Weg.

So etwas habe ich selten gefühlt.

Gedanken wie „Ich habe genau das Gleiche gewählt wie er“ durchströmten mich, als ich dem Priester über das Leben und die Philosophie des Franziskus lauschte.

Ich möchte in diesem Beitrag erst einmal gern teilen, was Pater Cornelius mir über Franziskus erzählte und was mich so tief berührte.

Franziskus war ein Mensch, der sich ganz bewusst von dem gelöst hat, was diese Welt ihm angeboten hat.

Mit 24 Jahren hat er sich entschieden, Christus zu folgen. Dabei stand ihm zunächst all das im Weg, was er besaß und was sein Leben bestimmt hatte.

Als Sohn eines reichen Kaufmanns kannte er materiellen Wohlstand.

Doch irgendwann erkannte er: Wahrer Reichtum kommt nicht von Dingen, die man besitzt.

Wahrer Reichtum kommt aus dem Herzen. Wahrer Reichtum ist die Verbundenheit mit Gott.

Er spürte, dass er alles loslassen musste.

Er wollte arm werden, weil auch Jesus arm gewesen war. Nicht, weil Armut an sich etwas Erstrebenswertes wäre, sondern weil er erkannte, dass in der Bedürftigkeit ein Raum entstehen kann, in dem Gott wirken darf.

Und dann begann er, Gott überall zu entdecken.

In der Natur. In den Tieren. In den Menschen. In den Armen und Ausgestoßenen. In den Kranken. In den Leidenden.

Alles, was in der Natur ist, ist aus Liebe gemacht, und genauso sind auch wir Menschen aus Liebe gemacht.

Franziskus merkte, dass er den Ausgestoßenen gegenüber ein Ego hatte. Eine Distanz. Einen inneren Widerstand.

Doch wenn Gott Liebe ist, dann kann dieses Ego nicht der letzte Maßstab sein.

Also fragte er sich: Was kann ich tun?

Er ging zu ihnen. Er zog sich an wie sie. Er tauschte seine Kleidung mit ihnen. Und er küsste die Krankheit.

Er überwand das, was ihn trennte.

Und je mehr er losließ, desto stärker wurde Gott in ihm.

Diese Liebe ging irgendwann sogar über die Grenzen zwischen Mensch und Tier hinaus.

Die Tiere spürten etwas in ihm. Franziskus sprach mit ihnen, weil er in ihnen ebenfalls Gottes Schöpfung erkannte.

Beim Bruder Wolf sagte er sinngemäß: Du musst die Menschen nicht angreifen. Bleib bei den Tieren.

Und der Wolf lief an seiner Seite.

Vielleicht verstanden sie beide dasselbe:

Liebe braucht keine Gewalt. Liebe schafft Verbindung.

Franziskus erkannte Gott besonders dort, wo wir Menschen ihn oft nicht suchen: bei den Armen, bei den Ausgestoßenen, im Leiden.

Und er erkannte etwas, das mich tief berührt:

Die größte Freiheit bekomme ich, wenn ich nichts habe.

Auch als Diebe in sein Haus kamen, reagierte er nicht mit Verurteilung.

Er suchte sie. Und als er sie fand, fragte er sie, was sie eigentlich brauchten.

Was wolltet ihr stehlen?

Er begegnete ihnen nicht mit Angst oder Hass, sondern mit Liebe. Und genau diese Liebe konnte etwas in ihnen verändern.

Immer wieder spürte Franziskus: Ich muss einfach werden. Ich muss loslassen. Dann kann Gott wirken.

Vielleicht ist genau das auch die Frage, die ich wir uns selbst stellen dürfen:

Was habe ich seit drei Jahren nicht gebraucht?

Was kann ich weggeben?

Was davon könnten andere gebrauchen ?

Was halte ich fest, obwohl ich es eigentlich nicht brauche?

Denn vielleicht ist es tatsächlich so:

Wenn ich nicht sorge, sorgt Gott für mich.

Vielleicht kann Gott oft deshalb nicht für uns sorgen, weil wir ihm keinen Raum lassen. Weil wir mehr haben, besitzen und festhalten, als wir eigentlich brauchen.

Wir versuchen, unser Leben selbst abzusichern, und lassen dadurch keinen Platz für das Vertrauen, dass wir getragen sind.


Deshalb hat mich auch so berührt, was Pater Cornelius zu mir gesagt hat: Dass er spürt, dass auch ich nicht den materiellen Weg wähle. Dass ich lieber die Armut wähle als den Reichtum und dass ich gerade darin Gott erkennen werde.

Dieser Gedanke bewegt mich sehr.

Vielleicht bedeutet Armut nicht einfach, wenig zu besitzen.

Vielleicht bedeutet Armut vor allem, nichts zwischen mich und Gott kommen zu lassen.

Nicht meinen Besitz. Nicht meine Sicherheit. Nicht mein Ego. Nicht meine Angst. Nicht den Wunsch, alles selbst kontrollieren zu müssen.

Arm zu werden bedeutet vielleicht, wieder empfänglich zu werden.

Mich auszuliefern.

Zu vertrauen.

Und wenn ich mich wirklich ausliefere, dann spüre ich vielleicht etwas, das Franziskus schon erkannt hat:

Ich habe einen Vater, der für mich sorgt. Gott.

Ich muss nicht alles selbst tragen.

Ich muss nicht alles besitzen.

Ich muss nicht alles verstehen.

Ich darf loslassen.

Und vielleicht beginnt genau dort meine größte Freiheit.

Dort, wo ich nichts mehr festhalten muss und erkenne, dass ich trotzdem gehalten bin.

Genau diese Erfahrung durfte ich machen, als ich mich auslieferte.

Ich lieferte mich meinen Ängsten aus.

Jahrelang bin ich nicht gepilgert, aus Angst, dass dies zu heftig sei. Allein als Weib, mit Zelt und Gaskocher, zu Fuß auf der Erde wandeln.

Doch ich hatte diesen Ruf so, so lange.

Im Endeffekt waren es einige heftige Erlebnisse in meinem Leben und unsere Wölfin Baghira, die in mir die Kraft freigesetzt haben, diesen Weg zu gehen.

Dies könnt ihr im letzten Beitrag lesen.

Nun pilgere ich insgesamt seit über einem Jahr und es fühlt sich für mich wie Bestimmung an. Nichts in meinem Leben hat mich bisher so getragen, gesegnet und geführt fühlen lassen.

Dabei hatte ich solch eine Angst davor. Und im Nachhinein durfte ich erleben, dass die größten Wunder hinter meiner größten Angst steckten.


 
 
 

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